Mit Talentpools gegen den Fachkräftemangel – so funktioniert es

Mit Talentpools gegen den Fachkräftemangel – so funktioniert es

Alarm am Arbeitsmarkt: Der Personalbedarf der Unternehmen steigt und auch die Kündigungsbereitschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nimmt zu. Um genügend neues Personal finden zu können, sollten Sie jetzt Ihren Talentpool neu aufstellen.

In den USA sorgt „The Great Resignation“ für einen extrem steigenden Recruitingbedarf der Unternehmen. Auch in Deutschland nimmt der Wechselwille der Beschäftigten zu. Gleichzeitig wollen die Unternehmen nach langen Monaten des Stillstands ihre Geschäftstätigkeit wieder ausbauen und suchen verzweifelt nach zusätzlichem Personal. Die Jobportale melden Rekordzahlen an Stellenausschreibungen.

Doch woher sollen all die Leute kommen, die sich auf die explodierende Anzahl an Job-Offerten bewerben? Schon Ende 2021 meldete die Bundesagentur für Arbeit einen großen Mangel an Arbeitskräften, insbesondere an ausgebildeten Fachkräften. 

Der Talentpool für externes und internes Recruiting

Eine gute Möglichkeit, mehr aussichtsreiche Kandidatinnen und Kandidaten für das eigene Unternehmen zu generieren, bietet ein Talentpool. In den vergangenen Jahren sind die Talentpools in vielen Unternehmen in Vergessenheit geraten. Deshalb ist es jetzt höchste Zeit, das Thema wieder ganz oben auf die Recruiting-Agenda zu setzen und mit neuem Elan anzugehen. Der Talentpool kann nicht nur dazu genutzt werden, „second best“ Bewerberinnen und Bewerber an das Unternehmen zu binden, sondern er kann auch das interne Recruiting und Talentmanagement unterstützen.

In einen modernen Talentpool sollten Mitarbeitende aufgenommen werden, die an einer internen Weiterentwicklung interessiert sind, sowie Bewerbende, die bisher nicht zum Zuge gekommen sind, sich aber weiterhin für das Unternehmen und dessen Jobs interessieren. Auch öffentliche Profile aus beruflichen Netzwerken wie Xing und Linkedin können in den Talentpool integriert werden, um den Recruiterinnen und Recruitern eine schnelle Übersicht über potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten zu ermöglichen, sobald eine offene Stelle zu besetzen ist.

Damit das Recruiting via Talentpool funktioniert

Das wichtigste, damit das Recruiting via Talentpool funktioniert, ist ein intelligentes Matching der offenen Stellen mit den Kandidatenprofilen. Das heißt, das Unternehmen sollte auf eine professionelle Bewerbermanagement-Software setzen, die KI-gestützte Matchingverfahren nutzt. Die Software sollte darüber hinaus mit dem automatischen Einholen von Einverständniserklärungen und der Überwachung von Löschfristen dafür sorgen, dass der Talentpool DSGVO-konform geführt wird.

Den internen und externen Talenten ermöglicht die Software, ihr eigenes Profil online zu pflegen und von sich aus Interesse an Stellen zu bekunden. Das Unternehmen kann über die Software regelmäßige Informationen an die Pool-Mitglieder versenden und bestimmte Profile auswählen, um ihnen exklusive Einladungen, zum Beispiel zu Fachvorträgen oder Kamingesprächen zukommen zu lassen.

Vorteile von Talentpools für Unternehmen und Bewerbende

Die Vorteile für Unternehmen sind vielfältig: Ein gut gepflegter Talentpool kann die Time-to-Hire, also die Zeit von der Vakanz bis zur Neubesetzung einer Stelle, erheblich verkürzen. Er kann die Mitarbeiterbindung stärken, wenn den internen Pool-Mitgliedern klare Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Und er kann natürlich auch externe Kandidatinnen und Kandidaten längerfristig für das Unternehmen interessieren. Auch eine Kostenersparnis ist möglich, wenn eine Stelle nicht extra ausgeschrieben werden muss

Ein wichtiger Mehrwert für die Kandidatinnen und Kandidaten ist, dass sie regelmäßig Informationen zum Unternehmen erhalten und dass sie passende Stellenangebote vorgeschlagen bekommen. Sie müssen also nicht selbst aktiv werden, sondern werden vom Unternehmen automatisch mit News und Jobofferten versorgt.

Damit das Recruiting via Talentpool gelingt

Der Einsatz eines Talentpools für das interne und externe Recruiting ist allerdings kein Selbstläufer. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist, dass der Talentpool in den Recruitingprozess fest eingebunden ist: Sobald eine offene Stelle zu besetzen ist, durchsuchen die Recruiterinnen und Recruiter zunächst den Talentpool, bevor sie weitere Schritte – zum Beispiel das Ausschreiben der Stelle auf einem Jobportal – einleiten.

Auch für die Pflege des Talentpools muss es feste Abläufe und Zuständigkeiten geben. Das heißt, es müssen Verantwortliche bestimmt werden, die Aktivitäten zur Kontaktpflege planen und durchführen. Diese können von (automatisiert angestoßenen) Geburtstags- und Feiertagsgrüßen bis zum Versenden von Unternehmens- und Stelleninformationen reichen. Authentische Einblicke ins Unternehmen vermitteln Videos von realen Arbeitssituationen.

Wird der Talentpool auch für das Talentmanagement genutzt, gilt es, entsprechende Maßnahmen für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung zu etablieren. Nur so können die Mitarbeitenden, die in den Talentpool aufgenommen werden, langfristig an das Unternehmen gebunden werden.

Fazit: Individualität ist Trumpf! Auch beim Führen eines Talentpools

Ein moderner Talentpool ist eine gute Maßnahme, um in Zeiten von Fachkräftemangel und Kündigungswelle das interne und externe Recruiting zu unterstützen und die Mitarbeiterbindung zu stärken. Er sollte sich aber deutlich von reinen „Datenbanken für abgelehnte Bewerber“ unterscheiden, wie sie früher vielfach von Unternehmen aufgebaut, aber nie richtig genutzt wurden.

Um einen wirklichen Mehrwert für das Unternehmen zu generieren, muss der Talentpool fest in die Recruiting- und Entwicklungsprozesse integriert werden und er muss auch greifbare Vorteile für die beteiligten Talente liefern. Das ist am besten möglich, wenn er möglichst individualisiert jedem Kandidaten und jeder Kandidatin die Informationen und Stellenangebote bereitstelle, die er oder sie benötigt.